„Studentische Glanzlichter“ – Stefanie Erber & Silvia Kopacz

Dialektlogische Methoden in der praktischen Anwendung

„Heat Maps leuchten rot bis grün, zeigen, wo die Räume blüh’n.“ Ein Bericht zum Referat. Verfasst von Stefanie Erber und Silvia Kopacz.

„Heat Maps leuchten rot bis grün, zeigen, wo die Räume blüh’n.“– mit dieser Zeile aus einem KI-generierten Lied eröffneten wir unsere Präsentation im Rahmen des Bachelorseminars „Sprachwissenschaft: Deutsche Sprache in Raum und Zeit”. Der Einsatz des Liedes diente dabei nicht nur als kreativer Einstieg, sondern hatte auch eine methodische Funktion: Die Kommiliton:innen erkannten zentrale Begriffe aus dem Lied und ordneten diese in einem Etherpad nach „bereits bekannt” und „eher unklar” ein. So konnte vorhandenes Vorwissen sichtbar gemacht werden, an das wir im darauf folgenden Vortrag anknüpfen konnten.

Die Präsentation selbst war als Vortrag mit anschließendem Stationenbetrieb konzipiert. In diesem Rahmen wurden sowohl kartographische Verfahren zur Darstellung subjektiver Sprachräume als auch Methoden zur Aufbereitung mündlicher Daten vorgestellt und praktisch ausprobiert. Die Ergebnisse wurden dabei über ein Padlet gesammelt, das zugleich als Materialsammlung für hilfreiche Informationen und weiterführende Links diente.

Kartographische Verfahren

Im ersten thematischen Block des Referats stand die wissenschaftliche Darstellung subjektiver Wahrnehmung von Sprachräumen im Mittelpunkt. Aufbauend auf den Grundlagen zur Wahrnehmungsdialektologie und der zugehörigen Pflichtlektüre der vorherigen Einheiten lag der Fokus auf den Methoden selbst, insbesondere der Erstellung von Heat Maps.

Eine zentrale frühe Methode stellt die sogenannte Overlay-Technik dar. Dabei werden einzelne Mental Maps übereinandergelegt, um gemeinsam wahrgenommene Raumgrenzen identifizieren zu können. Um die Overlay-Technik auch praktisch erfahrbar zu machen, wurde im Rahmen des Stationenbetriebs eine Übung durchgeführt. Mithilfe von Folienstiften und mit einer Karte des deutschen Sprachraums bedruckten Overheadfolien fertigten die Kommiliton:innen Mental Maps an und legten diese anschließend übereinander. Dadurch konnten Überschneidungen und Unterschiede zwischen den individuellen Raumwahrnehmungen sichtbar gemacht werden.

Ausprobieren der Overlay-Technik

Ergänzend zur theoretischen Einführung im Vortragsteil wurde diese Methode selbst in QGIS ausprobiert, um die Erstellung einer Heat Map besser nachvollziehbar zu machen. Für die Visualisierung wurde Videomaterial angefertigt, zudem wurden bestimmte Prozessabläufe auch an der Tafel dargestellt. Im Zuge des Stationenbetriebs konnten die Seminarteilnehmer:innen schließlich selbst eine vereinfachte Form einer Heat Map gestalten. Dafür standen ausgedruckte Karten aus dem Atlas zur deutschen Alltagssprache sowie Buntstifte in den Farben Rot, Orange, Gelb und Grün zur Verfügung. Ziel dieser Station war es, das Prinzip der Dichtekarten nachvollziehbar zu machen.

Aufbereitung mündlicher Daten

Nicht nur kartographische, sondern auch mündliche Daten müssen aufbereitet werden, um sie für eine Analyse zugänglich zu machen. Dies kann in Form eines einfachen, auf den Inhalt der Sprachaufnahme fokussierten Basistranskripts oder in Gestalt eines ausführlicheren Feintranskripts geschehen, das die gesamte Gesprächssituation einschließlich non-verbaler Aktivitäten und regional- bzw. umgangssprachlicher Merkmale möglichst exakt wiedergibt (vgl. Sauer & Hoffmeister 2022: 117). Um den Studienkolleg:innen die Möglichkeit zu bieten, das Transkribieren nach GAT selbst zu erproben, wurden an Station 3 Kopfhörer, der Link zu einer kurzen Audioaufnahme sowie eine übersichtliche Darstellung der Transkriptionsregeln zur Verfügung gestellt.

Erstellen von Transkripten

Wie diese Übung gezeigt hat, ist das Verschriftlichen mündlicher Daten zeitaufwendig – Programme zur computergestützten Transkription können hier jedoch Abhilfe schaffen: Neben der vollständig computergesteuerten Erstellung von Transkripten durch Automatic Speech Recognition (ASR), die jedoch die Gefahr fehlerhafter, sogenannter „schmutziger Transkripte“ birgt, stehen auch Programme zur selbständigen Transkription durch die forschende Person zur Verfügung (vgl. Sauer & Hoffmeister 2022: 118f). Dazu zählt der Partitureditor EXMARaLDA, den wir im Zuge unserer Vorbereitungen genauer unter die Lupe genommen und in Form von Bildschirmaufnahmen und Screenshots in die Präsentation integriert haben, um den Kolleg:innen einen Eindruck von der Arbeit mit dem Programm zu vermitteln. 

Über die Autorinnen

Wir sind Stefanie Erber und Silvia Kopacz und studieren beide an der Universität Wien die Fächer Deutsch und Inklusive Pädagogik auf Lehramt.

Schon am Beginn des Studiums hat mich, Stefanie Erber, die Sprachwissenschaft und ihr analytischer Zugang zur Sprache interessiert, insbesondere die Möglichkeit, alltägliche sprachliche Phänomene systematisch zu erfassen und zu untersuchen. Im vergangenen Semester habe ich mich in einem Seminar mit qualitativen Methoden der Sprachwissenschaft auseinandergesetzt. Vor diesem Hintergrund habe ich das Bachelorseminar „Deutsche Sprache in Raum und Zeit“ gewählt.

Ich, Silvia Kopacz, bin ausgebildete Freizeitpädagogin und nutze meine im Hochschullehrgang erworbenen Kenntnisse gerne, um im Rahmen von Praktika und Fachdidaktik-Seminaren kreative Unterrichtsmaterialien zu erstellen. Der pädagogisch-fachdidaktische Bereich lag mir im Studium stets besonders am Herzen, da meine berufliche Tätigkeit immer schon mit der Institution Schule verbunden war. Als ich mich im vergangenen Semester vermehrt mit der Geschichte der deutschen Sprache beschäftigt habe, habe ich jedoch auch ein großes Interesse an den fachwissenschaftlichen Aspekten des Studiums und insbesondere an der Sprachwissenschaft entwickelt. Im Zuge des Bachelor-Seminars „Deutsche Sprache in Raum und Zeit“ hat sich nun überraschend gezeigt, dass diese beiden scheinbar gegensätzlichen Interessensgebiete erfreulicherweise durchaus miteinander vereinbar sind.

Literaturhinweise

Sauer, Verena & Toke Hoffmeister. 2022. Wahrnehmungsdialektologie: Eine Einführung. Berlin: De Gruyter.

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