Historischer Spracheinstellungsdiskurs des 16. bis 18. Jahrhunderts

- gefördert durch den DAAD (Travel Grant) und die Gleichstellungsbeauftragte der CAU Kiel (Anschubfinanzierung)
- Laufzeit: 04/2019 – 12/2022 (abgeschlossen)
Projektskizze
Die theoretisch-grammatische Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache setzte Ende des 15. Jahrhunderts ein (vgl. Moulin-Fankhänel 1994: 15), wodurch auch ein Diskurs über die grammatische Normierung der eigenen Muttersprache allmählich in Gang kam. Mit Beginn des 16. Jahrhunderts entstehen dann vermehrt Schriften, die sich zum einen kritisch mit der deutschen Sprache auseinandersetzen bzw. über den Schreib- sowie Sprachgebrauch reflektieren und zum anderen deren Vermittlung in Form von Schreib- und Leselehren vorantreiben.
Im Mittelpunkt des Habilitationsprojektes steht die Rekonstruktion des Konzeptes Deutsch in den Grammatiken, Orthographie- und Leselehren des 16. bis 18. Jahrhunderts. Hierfür wurden die Vorreden aus 56 für diese Zeit grundlegenden Schriften aufbereitet und anschließend framesemantisch analysiert. So konnten die individuellen kognitiven Wissensrahmen (Token-Frames) der Autoren rekonstruiert werden und darauf aufbauend Type-Frames abgeleitet werden, in denen das übergeordnete Konzept Deutsch für das entsprechende Jahrhundert rekonstruiert wurde.
Auf der empirischen Grundlage des Textkorpus wurde zunächst eine Einzeltextanalyse der Vorreden durchgeführt und die expliziten Füllwerte zum frame-evozierenden Element (Hoch-) Deutsch bestimmt. Anschließend wurde die Attributstruktur des historischen Frames(Hoch-) Deutsch rekonstruiert: Zum einen wurden die Erkenntnisse aus bisherigen Forschungsarbeiten zum historischen Spracheinstellungsdiskurs und die darin enthaltenen Diskurseinteilungsversuche einbezogen (vgl. Faulstich 2008, Gardt 1994, Götz 1992, Haas 1980, Josten 1976, Leweling 2005, Scharloth 2005), zum anderen wurden die Attribute induktiv aus den Primärtexten abgeleitet.
Den Kern des Erkenntnisinteresses bildete die Leitfrage: Wie kann der historische Spracheinstellungsdiskurs des 16. bis 18. Jahrhunderts in seiner Dynamik darstellbar und die bisherigen Forschungsergebnisse vereinheitlicht und somit vergleichbar gemacht werden?
Es war das Ziel dieser Arbeit, die historische Diskursanalyse mit der Framesemantik effektiv zu verbinden und Frames als Diskursanalyseinstrument zu nutzen. Auf dieser Grundlage wurde ein framesemantisches Modell (Hoch-)Deutsch rekonstruiert, das sich auf empirische Belege aus dem historischen Textkorpus stützt.
Literatur
- Moulin-Fankhänel, C. (1994): Bibliographie der deutschen Grammatiken und Orthographielehren. I. Von den Anfängen der Überlieferung bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Heidelberg: Winter.
- Faulstich, K. (2008): Konzepte des Hochdeutschen. Der Sprachnormierungsdiskurs im 18. Jahrhundert. Berlin/New York: De Gruyter.
- Gardt, A: (1994). Sprachreflexion in Barock und Frühaufklärung. Entwürfe von Böhme bis Leibniz. Berlin/New York: De Gruyter.
- Götz, U. (1992): Die Anfänge der Grammatikschreibung des Deutschen in Formularbüchern des frühen 16. Jahrhunderts: Fabian Frangk – Schryfftspiegel – Johann Elias Meichßner. Heidelberg: Winter.
- Haas, E. (1980): Rhetorik und Hochsprache. Über die Wirksamkeit der Rhetorik bei der Entstehung der deutschen Hochsprache im 17. und 18. Jahrhundert. Frankfurt a. M./Bern/Cirencester: Peter Lang.
- Josten, D. (1976): Sprachvorbild und Sprachnorm im Urteil des 16. und 17. Jahrhunderts. Bern/Frankfurt am Main: Peter Lang.
- Leweling, B. (2005). Reichtum, Reinigkeit und Glanz – Sprachkritische Konzeptionen in der Sprachreflexion des 18. Jahrhunderts. Frankfurt am Main: Peter Lang.
- Scharloth, J. (2005): Sprachnormen und Mentalitäten. Sprachbewusstseinsgeschichte in Deutschland im Zeitraum von 1766 bis 1785. Berlin/Boston: De Gruyter.

