Die große Bekannte „Unsicherheit“

„Es ist zwar prinzipiell großartig, dass die Dozentin versucht, die Studierenden dazu zu motivieren, in die Forschung zu gehen, allerdings beleuchtet sie immer nur die positiven Aspekte.“

Dieses Feedback erhielt ich letzte Woche im Rahmen der Lehrevaluation von einer Studentin. Zuerst habe ich es gar nicht verstanden, dann wurde mir klar, dass es stimmt. Und da dieses Thema „Promotion“ viele von euch beschäftigt, vor allem die Frage: „Soll ich wirklich promovieren?“, möchte ich heute über die negativen Seiten sprechen.

Während der Promotion (und auch jetzt in der Habilitationsphase) gab es viele Probleme, mit denen ich klarkommen und für die ich Lösungen finden musste. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich die Probleme nicht überwinden kann. Das ist auch einer der Gründe, warum in letzter Zeit nicht viel auf dem Blog passiert ist. Ich musste Hürden überwinden und bin dabei gestürzt. Aber ich habe gelernt, dass „Aufstehen“ stark macht und sogar wichtig ist, um richtig gut zu werden. Weil nur die wieder aufstehen, die ein klares Ziel vor Augen haben, das sie unbedingt erreichen wollen. Ich habe keinen Plan B, der mich genauso glücklich machen würde, wie mein Plan A, den ich gerade lebe. Und momentan bin ich nicht bereit, Kompromisse einzugehen oder Abstriche zu machen. Vor allem jetzt ist mir das klar, wo ich plötzlich außerhalb meiner Komfortzone bin. Meine Arbeit ist ein wichtiger und schöner Teil meines Lebens, den ich nicht hergeben möchte.

So, jetzt ist es schon wieder sehr kitschig und unangenehm positiv geworden, deshalb hier nun der ganze anstrengende Kokolores, den (fast) alle Promovierenden (und auch Habilitierenden) ertragen müssen:

  1. Die große Bekannte „Unsicherheit“

Eine wissenschaftliche Karriere funktioniert für mich nur nach dem „Alles-oder-Nichts-Prinzip“. Entweder ich halte durch, werde stetig besser und habe auch das nötige Quäntchen Glück, um irgendwann die Habilitation erfolgreich abzuschließen und einen Lehrstuhl zu bekommen. Oder ich bin raus und muss mich komplett umorientieren. Vielleicht ist dann auch meine Vita aufregend genug und die Resignation erreicht ein unterhaltsames Niveau, sodass Belletristik zur Option wird. 😉

Die Unsicherheit, nicht zu wissen, wo ich in ein paar Monaten oder auch Jahren leben werde, wie die neuen Kollegen, die neue Stadt etc. sind und ob ich mir immer ein gutes Leben an dem neuen Ort aufbauen kann, ist in meinem Kopf. Ich weiß nicht, wie sich meine Stellensituation entwickeln wird. Momentan habe ich noch 4 Jahre, was danach kommt, ist unsicher. Mein Leben ist, im Vergleich zu dem meiner meisten Freunde, unsicher und wird es in den nächsten Jahren wohl auch bleiben. Manchmal ist das sehr anstrengend, vor allem wenn ich eine Hürde nicht gleich nehmen kann und strauchle. Aber meistens bin ich einfach auch gespannt, was noch alles passiert. Nichts ist sicher, nichts vorgezeichnet und deshalb auch nichts langweilig. Alles ist möglich, aber nichts ist sicher.

-Fortsetzung folgt –

 

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