Educated by errors

Ich habe viel erreicht und darauf bin ich sehr stolz. Vielleicht definiere ich mich auch zu stark über meine beruflichen Erfolge. Wenn das so ist, dann habe ich gerade eine kleine „Existenzkrise“, denn momentan gibt es eher nur Misserfolge…

Das hier zu schreiben fällt mir nicht leicht. Es ist kein Problem, die tollen Ergebnisse, die spannenden Tagungsbesuche oder die neuen Projekte auf meinem Blog zu teilen. Aber über meine Fehler, meine Unzulänglichkeiten und meine Misserfolge zu berichten, das ist richtig schwer. Denn darüber sprechen wir in der „scientific community“ nicht. Networking funktioniert anscheinend nicht so gut, wenn wir auf unsere eigenen Fehler hinweisen. Also fange ich jetzt mal an, genau das trotzdem zu tun (nach mehreren Monaten „Bedenkzeit“).

Als ich meine Promotionsurkunde „summa cum laude“ in der Hand hielt, schwebte ich ein bisschen. Davon habe ich ja schon ausführlich berichtet. Dieser Schwebezustand hielt auch eine ganze Zeit lang an. Endlich war ich promoviert, hatte die Bestnote erreicht und hatte eine tolle neue Assistentenstelle, die eine Herausforderung ist und mich wahnsinnig motiviert.

Dann folgte die Phase nach dem Promotionsjubel: Nach der Dissertation ist vor der Habilitation! Das ist ein bisschen vergleichbar mit dem Wechsel von der Grundschule aufs Gymnasium. Du gehörst jetzt zu den „Großen“, die alle wahnsinnig viel wissen und sehr beschäftigt sind. Jetzt ist es nicht mehr toll, wenn ich mein Projekt auf Tagungen vorstellen darf, sondern es ist die Mindestanforderung. Nun wird damit geprahlt, wie toll das Feodor-Lynen-Stipendium in Amerika war oder wie hoch die finanzielle Förderung durch die DFG ausgefallen ist. Die Publikationslisten werden immer länger und die Forschungsinteressen immer breiter und natürlich besucht man eine Konferenz nur noch als Plenarvortragende.

Ich bin jetzt seit einem Jahr promoviert und habe seit etwa einem Vierteljahr mein Habilitationsthema gefunden. Bisher kann ich folgendes vorweisen:

Nicht erhaltene Preise für mein Dissertationsprojekt: 2.

Auslandserfahrung: Keine.

Plenarvorträge: 0.

Publikationsliste: Überschaubar.

Ja, ich habe kurz überlegt, ob ich mit den anderen tollen Wissenschaftsgenies mithalten kann. Und ganz ehrlich: Ich weiß es nicht, ob ich es kann. Aber ich werde hier nicht kampflos aufgeben. Ich liebe den Wettbewerb und ich liebe meine Arbeit. Das sind zwei gute Voraussetzung finde ich!

Nachdem ich mich also vom Boden der Tatsachen wieder aufgekratzt habe, werde ich mit meinen neuen Erfahrungen besser weitermachen. Ich habe im letzten halben Jahr 4 neue Aufsätze geschrieben, ich gebe meinen ersten Sammelband gemeinsam mit zwei tollen Wissenschaftlerinnen heraus und ich habe erfolgreich Gelder für einen Workshop eingeworben, der im Mai 2019 stattfindet. Das Feodor-Lynen-Stipendium steht groß auf meiner Agenda und ich werde mich anstrengen, dass es klappt.

Es ist okay, wenn ich Fehler mache oder auch Misserfolge einstecke, denn sie machen mich stärker. Ich darf nur nie aufhören wieder aufzustehen. Also seid nicht entmutigt, wenn eure erste Präsentation auf der tollen Konferenz in die Hose geht oder die Klausur eine Katastrophe war. Lernt aus euren Fehlern und werdet besser. EDUCATED BY ERRORS!

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