Ich bin ein „DiMiDo“ – Das „Do“

Heute muss ich meinen Rucksack sorgfältig packen, damit ich abends im Zug zurück nach Berlin noch arbeiten kann. Nichts ist „zeitverschwendender“ als ein vergessenes Buch, ein liegen gelassener Speicherstick oder ein nicht vorhandenes Ladegerät! Also mache ich mir schnell einen Kaffee (schwarz) und sammle alles zusammen. Dann mache ich noch kurz den Abwasch, gieße meine Pflanzen, sauge kurz durch und bringe den Müll runter. Danach geht’s direkt zum Bus, der mal wieder nicht sehr zuverlässig ist. Obwohl ich extra 5 min vor Abfahrt an der Haltestelle stehe, kommt erstmal nichts. Mein Bus hat mal wieder 5 min Verspätung. Naja, gut. Vielleicht sollte ich mal über ein Fahrrad nachdenken? Bei Apples Maps wird eine Fahrzeit von 18 min mit dem Fahrrad zur Uni angezeigt, mit dem Bus bin ich über 30 min unterwegs…Neben mir schiebt eine ältere Dame ihren Rollator in Position und der Bus hält. Der Busfahrer grüßt mit einem Lächeln und dem typisch norddeutschen „Moin“. Ich entgegne „Morgen“ und oute mich damit mal wieder unfreiwillig.

Während der Fahrt lese ich ein Kapitel in der Dissertation von Claudia Scharioth, die ich rezensieren werde. Es ist zwar etwas umständlich mit Textmarker, Bleistift, Buch und Rucksack auf dem Schoß zu arbeiten, aber irgendwie funktioniert es. Ich steige sogar rechtzeitig aus.

Mein Bürotag ist heute relativ ruhig, da ich keine Seminare geben muss und auch keine Sprechzeit habe. Es bleibt also viel Zeit für Lektüre, E-Mails beantworten und Seminarvorbereitung. Das im Detail zu schildern, wäre aber eher wenig spannend. Vielleicht nur dieser Gedanke: Wenn ich mir 2 Stunden einfach nur zum Lesen von Aufsätzen genehmige, hatte ich früher häufiger mal das Gefühl, gerade nicht sehr produktiv gewesen zu sein. Immerhin hatte ich nach den 2 Stunden kein fertiges Produkt, z.B. eine gute PowerPoint-Präsentation oder einen aufgeräumtes Postfach. Und ob von dem Text genug hängen geblieben war und neue Gedankengänge sich ausprägen würden, wusste ich ja (noch) nicht. Vergleichbar ist diese Situation mit dem Lernen für eine Klausur. Man hat die Pflichtlektüre gelesen und auch eine guten Teil der weiterführenden Lektüre, hat die Folien nochmal durchgearbeitet und ggf. auch eine Probeklausur bearbeitet. Ob das jedoch reicht, um ein gutes Ergebnis zu erzielen, war noch lange nicht klar. Und dieses Gefühl ist heute, nach dem Studium, immer noch manchmal da. Allerdings weiß ich jetzt, dass es kaum eine bessere und zielführendere Tätigkeit als eine umfassende Lektüre der Fachliteratur gibt. Auf ihr baut jede wissenschaftliche Karriere auf.

Gegen 18:00 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Ich bin spät dran und durch den Feierabendverkehr hat der Bus mal wieder eine enorme Verspätung. Jede Ampel, die wir passieren wollen, springt automatisch auf Rot. Mit meinem rechten Fuß tippe ich immer wieder genervt an die Kunststoffkante meines Sitzes. Im 10 Sekunden Rhythmus schaue ich auf die Uhr, in der Hoffnung, dass diese vielleicht rückwärts laufen könnte. Wir haben noch zwei Haltestellen vor uns bis zum Hauptbahnhof und noch 7 Minuten bis mein Zug abfährt. Oh man, das wird heute nichts mehr. Ich schnaufe genervt, die Frau neben mir atmet ebenfalls betont aus. Aus den Augenwinkeln sehe ich einen Fahrradfahrer, der sich an unserem Bus vorbeischlängelt. So schnell wie der fährt, hat sich der Bus heute noch nicht vorwärts bewegt. Wie auch, ist ja ständig rot… In dem Moment knallt es draußen und ich sehe, wie der Radfahrer auf die Motorhaube eines abbiegenden PKW auffährt, sich einmal überschlägt und dann auf den Asphalt knallt. Im ersten Moment kommt mir die Szene nicht real vor. So etwas kannte ich bisher nur aus Filmen. Dieses Mal ist es aber wirklich passiert und Passanten rennen zu dem Verunglückten. Der Radfahrer setzt sich auf (Gott sei Dank!) und fasst sich an den Hinterkopf, der leider nicht von einem Helm geschützt wurde. Es scheint glimpflich für ihn ausgegangen zu sein. Ich hoffe, es geht ihm gut. Und auch der Autofahrerin, die den bei Rot fahrenden Radler nicht rechtzeitig gesehen hat…

Wir kommen wenig später auch am Hauptbahnhof an, den Zug erreiche ich zwar nicht mehr, aber das ist plötzlich nicht mehr so schlimm. Ich bin sicher angekommen und in einer halben Stunde fährt die nächste Regionalbahn, dann nehme ich eben die. Und ich denke darüber nach, mir einen Helm zu kaufen…und ein Fahrrad.

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