Ich bin ein „DiMiDo“ – Das „Di“

Ich bin ein „DiMiDo“! Außerhalb des universitären Kontexts ist diese Bezeichnung wahrscheinlich nicht ganz so geläufig, deshalb erstmal eine kurze Begriffsklärung…

Ein „DiMiDo“ ist ein Mensch (m/w/d), der meist an einer Forschungseinrichtung (Universität, Hochschule usw.) arbeitet und zwar von Dienstag bis Donnerstag. Das bedeutet, dass „DiMiDos“ immer auch Pendler sind und in einer anderen Stadt leben als sie arbeiten.

Von meinen Erfahrungen möchte ich euch heute berichten, da es fast alle, die in der Wissenschaft arbeiten, mindestens einmal für ein paar Jahre erwischt. Tatsächlich kenne ich nur wenige Ausnahmen, die bisher noch keine „DiMiDos“ waren. Wenn ihr euch also für den Beruf des Geisteswissenschaftlers/ der Geisteswissenschaftlerin entscheidet, lest die folgenden Zeilen bitte aufmerksam. 😉

Von Herbst 2016 bis Frühjahr 2018 pendelte ich alle zwei Wochen. Das war relativ entspannt und bedeutete eigentlich auch keine größeren Einschränkungen. Bis auf das ein oder andere Unwetter waren die Zugfahrten problemlos möglich. Seit diesem Jahr pendle ich nun wöchentlich von Kiel (Arbeitsort) nach Berlin (Wohnort) und das ist jetzt schon etwas anderes… Was genau ich damit meine, zeige ich euch anhand meiner letzten (Arbeits-)Woche:

Am Dienstag fahre ich frühmorgens in Berlin mit dem IC los. In den 2,5 Stunden bis Hamburg arbeite ich etwas, bereite meine Seminare vor, lese Aufsätze, schreibe Anträge oder beantworte E-Mails. Das funktioniert richtig gut und ich habe das Gefühl, auch außerhalb meines Büros produktiv sein zu können. Gleichzeitig fühle ich mich unabhängig, weil ich überall arbeiten kann. Dann steige ich in Hamburg in den RE nach Kiel um. Meist esse ich jetzt etwas und erstelle den Ablaufplan für mein Dienstagsseminar. Angekommen im „echten Norden“ flitze ich zum Bus, da muss ich mich meistens sehr beeilen. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Kiel sind eine Katastrophe und ich bin froh, wenn ich nicht so lange warten muss. Im Bus geht die Zitterpartie dann weiter, meist verläuft die Fahrt nicht ohne Verspätungen und der Fahrstil der Busfahrer treibt mich häufig in den Wahnsinn. Die Kupplung wird meist ruckartig losgelassen, Bremsmanöver stehen auf der Tagesordnung und Schlaglöcher müssen befahren werden. Gegen Mittag komme ich dann in meinem Büro an.

Am Nachmittag findet mein Seminar „Historische Semantik“ statt. Das macht mir Spaß, da meine Studis sehr engagiert sind und gerne diskutieren. Gegen Abend mache ich mich auf den Weg nach Hause. „Zuhause“ ist allerdings ein Ort, wo der Kühlschrank leer ist. Das bedeutet, dass ich mir erstmal noch ein Abendessen besorgen muss. Und das,  liebe Freunde, ist ein großes Problem hier im verschlafenen Kiel. Mit dem Bus bin ich kurz vor Ladenschluss am Hauptbahnhof und renne dort schnell in den Supermarkt. Die Verkäuferinnen bedenken mich mit bösen Blicken, weil ich zehn Minuten vor Schluss noch Milch, Wurst, Brot, Obst, Frischkäse usw. in einen Karton staple, den ich mir vorher aus einem Regal gegriffen habe. Hastig bringe ich meine Habseligkeiten zur Selbstbedienungskasse (Heißt das so?) und verlasse zügig, manchmal auch mit gerötetem Gesicht, den Supermarkt.

Natürlich fährt zu dieser späten Stunde in Kiel nur noch alle 30 Minuten ein Bus. Folglich habe ich zwei Wahlmöglichkeiten: Eine halbe Stunde mit dem Einkauf am Hauptbahnhof auf den nächsten Bus warten oder nach Hause laufen. Ich entscheide mich für die zweite Option. Viel zu spät habe ich es endlich geschafft und schmiere mir ein Brot in meiner verwaisten Küche. Jetzt ist Feierabend und den genieße ich auf meiner Couch. Das war mein Dienstag!

Von „Mi“ und „Do“ erzähle ich dann im nächsten Beitrag!

 

 

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